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Südafrika

 

Irgendwann - ist schon ziemlich lange her, es muss im November oder so gewesen sein - kam Renate zu uns in die Klasse, um uns das Masibambane College im Johannesburger Township Orange Farm als Möglichkeit für unser „Sozialpraktikum im englischsprachigen Ausland“ zu präsentieren. Obwohl Renate das Projekt bewusst abschreckend vorstellte – sie erzählte uns sehr ausführlich, dass man sich eventuell mit einem Lehrer das Bett teilen muss und dass es zu gefährlich sei, sich ohne Begleitung von Einheimischen auf die Lehmstraße zu wagen – zeigten die meisten von uns großes Interesse. 
Jetzt, vier Wochen nach der Heimreise aus Südafrika, bin ich davon überzeugt, dass Renate richtig lag, als sie in ihrer Projektpräsentation erwähnte (es schien mir damals eher nebenbei), alle, die sich von den oben angemerkten Kleinigkeiten nicht irritieren lassen und sich für eine Reise nach Orange Farm entschließen (letztendlich waren es 15), werden die Zeit genießen und tiefe Eindrücke mit nach Hause nehmen. 
Kurz vor der Rückreise hatte ich das Gefühl, mich gerade erst richtig eingelebt zu haben. Ich glaube, den meisten anderen ging es ähnlich. Jedes Mal, wenn mir jetzt ein Foto mit der orangen Erde aus Orange Farm unterkommt, denke ich: „Ich möchte jetzt wieder dort sein...“ Jedenfalls bin ich froh, dass ich mich nicht von einigen nebensächlichen Kleinigkeiten abschrecken ließ. 
Florian Ungerböck

Südafrika, Johannesburg, Orange Farm, Masibambane College, 28/02/2005, 2. Tag der Reise. Heute war unser erster Tag als Lehrer, ich war vollkommen überfordert. Die Kinder sind mich angefallen, haben versucht, die weiße Farbe von meiner Haut abzurubbeln, jegliche denkbare Frisur aus meinen Haaren zu kreieren und haben sich ständig um meine Hand geschlagen. Wenn sie mal loslegen sind sie nicht wieder ruhig zu kriegen. Ich war fix und fertig.
Martina Wallner

Seit Montag wohnen Jan und ich bei Jafta, dem Sport- und Biologielehrer des Masibambane College. Ein kleines Mädchen aus der 3A namens Karabajacho ist immer mit uns unterwegs, die kleine redet unaufhörlich wie ein Wasserfall und ist ziemlich frech, mich hat sie sogar schon verprügelt. Verliebt ist sie hingegen in Jan und Flo, nur darf ich das nicht weitersagen.
Dienstags hatte ich ein komisches Erlebnis im Supermarkt um die Ecke: An der Kasse stand ein Typ, der seine Jacke auszog und darunter eine Waffe trug. Sofort hatte ich ein mulmiges Gefühl und wollte mich so schnell wie möglich verdrücken. Es gibt aber auch Supermärkte, die „Gun-Free Zones“ sind, dort werde ich wohl ab jetzt lieber einkaufen gehen. Mittwochs waren wir in einer Tankstelle einkaufen, die Verkäufer dort sitzen in einem riesigem Glaskasten aus Kugelsicherem Glas und man muss die Waren in eine Lade legen, die sie dann zu sich reinziehen. Nachher muss man mit der Rechnung an der Security vorbei, die alle Waren mit der Rechnung vergleichen und dich erst dann passieren lassen.
Bei Jafta zu Hause schupft sein Sohn den Haushalt, er kocht und wäscht und so weiter.
Seine Frau Mpow („Geschenk“) ist mehr mit dem kleinen, fetten, 6 Monate alten Baby beschäftigt. Er selbst macht nichts im Haushalt, was aber in Südafrika nicht unüblich ist.
Das Baby ist sowieso interessant, das hat sicher 10 kg und wenn es am Rücken liegt, kanns nicht mehr aufstehen. Es starrt mich die ganze Zeit paralysiert an, außerdem ist es immer ruhig und schreit nie (was angenehm ist).
Hauns Rendl